19. Mai 2026

Neue Web-App zu Holocaust im Praxistest

«Fliehen vor dem Holocaust» hatte als downloadbare Lern-App grossen Erfolg. Sie wurde seit 2018 rund 180'000 Mal heruntergeladen und zudem mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Neu ist sie ab Juni 2026 gratis im Internet verfügbar und noch besser für den Unterricht nutzbar. 

Wie immer werden die Bildungsmedien, die an der PH Luzern entwickelt werden, zusammen mit Mitarbeitenden in der Praxis entwickelt und dort getestet. So fand am Montag, 18. Mai 2026, eine weitere Erprobung der App «Fliehen vor dem Holocaust» in der Geschichtsklasse von Dr. Lukas Tobler am Gymnasium Immensee statt. Die Schulleitung und die Lehrer*innen des Gymnasiums sind immer wieder offen für neue und innovative Unterrichtsformen. Die Rückmeldungen von derart erfahrenen Kolleginnen, Kollegen und Schüler*innen sind grundlegend und wertvoll für die Entwicklung von Bildungsmedien – gerade bei solch wichtigen und anspruchsvollen Themen wie Holocaust.

Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Die Geschichte der systematischen Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime sowie deren Ursachen und Folgen ist ein Pflichtthema in Schulen der Sekundarstufen und kann auf unterschiedlichste Weisen sowie mit verschiedenen Zielsetzungen vermittelt werden. Als besonders geeignet hat sich in den letzten Jahrzehnten die persönliche Begegnung mit Menschen herausgestellt, die den Holocaust erlitten und überlebt haben. Dies wird aber immer schwieriger. Die Web-App «Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten» ermöglicht eine medial vermittelte, individuelle Begegnung der Schüler/-innen mit Holocaust-Überlebenden.

Die App erzählt – didaktisch aufbereitet und für Lernprozesse optimiert – die Geschichte von fünf Menschen, die sich mit einer Flucht vor dem verbrecherischen Nazi-Regime retten konnten. Sie kann in unterschiedlichen Lernformen eingesetzt werden und ermöglicht Lernenden einen kompetenten Umgang mit Geschichte und Erinnerung, einen verantwortungsvollen Umgang mit Gesellschaft und einen reflektierten Umgang mit sich selbst.

Positive Feedbacks von Schüler*innen

Mit der Web-App «Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten» lernen die Schüler*innen auf eigenen Wegen. Sie haben verschiedene Wahlmöglichkeiten, sei es bei den flüchtenden Menschen, den Materialien oder den Lernszenarios, und halten ihre Erkenntnisse in einem Album fest. Dr. Lukas Tobler, der neben seiner Unterrichtstätigkeit auch an der Pädagogischen Hochschule Luzern arbeitet und dort unter anderem im Bereich der Holocaust Education tätig ist, erachtet vor allem auch den Lebenswelt- und Gegenwartsbezug als zentral: «Die Fluchtgeschichten liegen zwar zeitlich weit zurück, aber die Schüler/-innen werden in der App darauf hingeleitet, dass auch heute Menschen fliehen, und mit der Frage konfrontiert, wo sie in ihrer Umgebung solchen Menschen begegnen und was ihnen helfen kann.»

Dr. Hans Utz, der im internationalen Entwicklerteam mitgearbeitet und die Schulerprobung am Gymnasium Immensee begleitet sowie beobachtet hat, weist auf die Wichtigkeit des Albums hin, das alle Schüler*innen mit der App entwickeln: «Geschichtsbildung gelingt besser in der Gemeinschaft. Deshalb ist die Auswertung der Arbeit mit der Web-App in der Klasse von grosser Bedeutung. Dafür eignen sich die unterschiedlichen Alben der Schüler*innen ausgezeichnet, weil damit wichtige Gespräche angestossen werden.»

Die Feedbacks von Jugendlichen aus der «Testklasse» in Immensee bestätigen dies: «Das Interview des Zeitzeugen und die Begegnung mit ihm eröffnete mir eine neue, interessante Perspektive auf das Geschehen», sagt Maddox Plewa, und Leah-Sophie Käppeli ergänzt: «Das Interview war sehr eindrücklich. Es ist etwas ganz anderes als die übliche Methode der Geschichtsvermittlung: Die Ereignisse unmittelbar von jemandem zu hören, der sie selbst erlebt hat.»

Internationale Zusammenarbeit

Die Überarbeitung und Aktualisierung der Web-App fand in Kooperation zwischen dem OeAD-Programm ERINNERN:AT, der Fachhochschule Vorarlberg (Forschungszentrum Human-Centred Technologies) und der Pädagogischen Hochschule Luzern unter der Ko-Leitung von Peter Gautschi statt.

Finanziert wurde das Projekt unter anderem durch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), das österreichische Bundesministerium für Bildung und durch verschiedene Stiftungen. Erreichbar ist die Webapp ab Juni 2026 unter www.fliehen-holocaust.at

Bildergalerie (Fotos: Nadia Schärli)


Kontakt

Dozent & Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Lukas Tobler
Dr. phil.
Frohburgstrasse 3
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lukas.tobler@phlu.ch
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