«Die Akkreditierung förderte das Qualitätsbewusstsein der Angehörigen der PH Luzern in vielfältiger Weise.»

Rektor Hans-Rudolf Schärer und sein Stellvertreter Michael Zutavern lassen im Gespräch das PH-Jahr 2017 Revue passieren. Dabei stehen neben der Akkreditierung und besonderen Projekten auch Kooperationen sowie der Lehrplan 21 im Fokus.

Hans-Rudolf Schärer: Das Jahr 2017 können wir im Licht der 15 Jahre sehen, die hinter uns liegen. Am Anfang herrschte an der PH Luzern ein starker Pioniergeist, Improvisation war gefragt. Jetzt findet eine Konsolidierung statt. Mit der Akkreditierung ist eine wichtige Zwischenetappe erreicht. Aber wir erhielten 2017 auch eine wichtige Perspektive für die Zukunft: Die Luzerner Kantonsregierung hat den Beschluss zur Immobilienstrategie Tertiäre Bildung gefasst. Diese sieht auf dem Campus Horw einen Neubau für die PH Luzern vor, der 2026 bezugsbereit sein soll.

Michael Zutavern: Das prägendste Ereignis war sicher die institutionelle Akkreditierung. Ausgangspunkt ist das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG), das allen Schweizer Hochschulen einen neuen gesetzlichen Rahmen gibt. Die Hochschulen müssen den Nachweis erbringen, dass sie über ein funktionierendes Qualitätssicherungssystem und eine funktionierende «Governance» verfügen. Von der Akkreditierung hängen zum Beispiel auch die öffentliche Finanzierung und das Recht, Bachelor- und Mastertitel zu verleihen, ab.

Alle Schweizer Hochschulen müssen sich bis 2022 akkreditieren lassen. Wir haben den Prozess als eine der ersten Institutionen in Angriff genommen. Ein Teil der Hochschulleitung wird nicht mehr lange im Amt bleiben, und wir wollten der neuen Leitung diese Arbeit nicht unerledigt hinterlassen. Zentrales Element waren eine Selbstanalyse im Form des sogenannten Selbstbeurteilungsberichts und ein Peer-Review-Verfahren mit dem Besuch einer Gutachtergruppe. Diese verfasste anschliessend einen Bericht zuhanden des Schweizerischen Akkreditierungsrats, der dann auch angenommen wurde.

Hans-Rudolf Schärer: Es ging Hand in Hand – die auf die Herkunft und die Gegenwart gerichtete Selbstanalyse der Institution, wie wir sie mit der Akkreditierung vorgenommen haben, und die Weiterentwicklung in die Zukunft, etwa bei der Erweiterung des Studiengangs Sekundarstufe II, gymnasial, bei den neuen Angeboten im Bereich der Berufsbildung oder den neuen Fachdidaktik-Masterstudiengängen.

Aus meiner Sicht war die Akkreditierung unter anderem ein wichtiger interner Selbstverständigungsprozess. Die Erarbeitung des Selbstbeurteilungsberichts war eine gemeinsame Angelegenheit der ganzen Hochschule, das haben wir nicht einfach jemand Externem übergeben.

Michael Zutavern: Als wir den Akkreditierungsprozess 2015 starteten, wollten wir nicht nur eine formelle Pflichtübung vollbringen, wir wollten für die Hochschule und für das Qualitätsbewusstsein der Mitarbeitenden einen Nutzen schaffen. Wir hatten hier von den Erfahrungen bei den zwei vorhergehenden EFQM-Zertifizierungen profitieren können.

Einerseits haben wir den Selbstbeurteilungsbericht erstellt. Anderseits haben wir in vielen Gesprächen mit praktisch allen Kolleginnen und Kollegen versucht, das Qualitätsbewusstsein zu verankern. In allen Teams konnten wir beobachten, welche Formen von Qualitätssicherung gepflegt werden. Das war sehr spannend. Wir merkten – und das ist uns dann auch durch die Gutachter bescheinigt worden –, dass viele passende und selbstkritische Formen der Qualitätssicherung gepflegt und gelebt werden; aber wir haben auch die Schwachstellen erkannt, an denen wir noch arbeiten müssen. Das Bewusstsein dafür war ein wichtiger Effekt der Akkreditierung.

Wir haben schliesslich vier Auflagen erhalten, die wir bis September 2019 erfüllen müssen: Wir müssen mehr Forschung betreiben, wir müssen die formelle Partizipation von Studierenden bei Stellenbesetzungen rechtlich besser verankern, wir müssen die internationale Mobilität der Studierenden verstärkt unterstützen und wir müssen unsere internen Evaluationen erfolgreicher koordinieren und vergleichbarer machen.

Michael Zutavern (links) und Hans-Rudolf Schärer im Gespräch.

Hans-Rudolf Schärer: Für mich ist das Entscheidende an der Akkreditierung, dass mit dem Verfahren das Commitment unserer Mitarbeitenden für Qualität nachhaltig gestärkt wurde. Es entstand auch das Bewusstsein, dass dafür alle aufeinander angewiesen sind und dass alle einen entscheidenden Beitrag leisten. Unsere Hochschule steht im Dienst der Gesellschaft – diese fordert mit Recht, dass wir unser Bestes geben.

Michael Zutavern: Auch die Studierenden haben sehr intensiv im gesamten Prozess mitgearbeitet, vor allem die Vertreterinnen und Vertreter der Studierenden-Organisation. Den Einbezug der Studierenden wollen wir in Zukunft allgemein noch stärker beachten.

Hans-Rudolf Schärer: Ausserdem: Wenn man Lehrer oder Dozentin ist, gehört das Beurteilen zum Kernauftrag. Mit der Akkreditierung haben wir die Erfahrung gemacht, inwiefern es sinnvoll ist, selbst beurteilt zu werden. Beides gehört zu unserer Professionalität.

Michael Zutavern: Sicher auch erwähnenswert sind die Projektgebundenen Beiträge (PgB) des Bundes, die wir 2017 erstmals beanspruchen konnten. Wir haben es geschafft, in Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen an wertvollen Projekten mitzuwirken: So etwa bei der Umsetzung von Chancengleichheit an den Hochschulen, beim Aufbau der wissenschaftlichen Kompetenzen im Bereich Fachdidaktiken oder bei der Entwicklungszusammenarbeit im Bildungswesen mit der Pädagogischen Hochschule in Yaoundé, Kamerun. Eine weitere Innovation ist die Entwicklung neuer Formen der Kooperation mit Praktikumsschulen. Vor allem die Fach-Teams der PH Luzern können ihre Expertise gut in diese übergreifenden Projekte einbringen.

Hans-Rudolf Schärer: Die Beteiligung an den PgB-Projekten steht stark im Zeichen der Nachwuchsförderung. So ermöglichen die PgB-Mittel nicht nur den Aufbau von Masterstudiengängen in den Fachdidaktiken, sondern auch Promotionen – dies in Zusammenarbeit mit Universitäten und ausländischen Hochschulen. Wir konnten in der Geschichtsdidaktik und in der Didaktik von Natur, Mensch, Gesellschaft einige Doktorandinnen und Doktoranden anstellen. Ein ähnliches Ziel verfolgt das durch PgB-Mittel alimentierte Pilotprogramm zur Stärkung des doppelten Kompetenzprofils beim Hochschul-Nachwuchs (Zielstufenqualifikation als Lehrperson und akademische Qualifikation).

Michael Zutavern: Wir haben an der PH Luzern inzwischen 40 Kolleginnen und Kollegen, die an ihrer Doktorarbeit sind, die eine Hälfte an Schweizer Universitäten, die andere Hälfte im Ausland. Dieses Feld entwickelt sich zum Glück sehr dynamisch.

Hans-Rudolf Schärer: Ein weiteres wichtiges Merkmal des Jahres 2017 sind die Pflege und der Ausbau unserer Kooperationen. Wir achten darauf, dass die internen Gremien der PH Luzern gut zusammenarbeiten. Wir fühlen uns auch unseren zentralen Anspruchsgruppen gegenüber verpflichtet und pflegen eine sorgfältige Zusammenarbeit mit den Dienststellen des BKD, dem Lehrverband, dem Schulleiterverband und dem Verband der Luzerner Gemeinden.

Was die interinstitutionelle Zusammenarbeit betrifft, sind zuerst die Zentralschweizer Hochschulen zu erwähnen: die Universität und die Hochschule Luzern sowie die Pädagogischen Hochschulen Schwyz und Zug. Hier hat sich ein konstruktiver Austausch eingespielt. Über die Region hinaus wirken die erwähnten Fachdidaktik-Masterstudiengänge. Sodann beteiligen sich verschiedene Kolleginnen und Kollegen der PH Luzern federführend in den Organen von Swissuniversities, der Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen. Wir möchten nicht nur einen Beitrag zum Vorankommen der PH Luzern, sondern des Hochschultypus PH in der Schweiz generell leisten. Denn wir sind überzeugt davon, dass die Pädagogischen Hochschulen derzeit institutionell der richtige Ort sind, um Lehrerbildung zu betreiben. Schliesslich haben wir auch die internationale Kooperation ausgebaut.

Michael Zutavern (links) und Hans-Rudolf Schärer im Gespräch.

Michael Zutavern: Ich möchte noch auf eine weitere Form der Kooperation hinweisen, die häufig unerwähnt bleibt. Viele Kolleginnen und Kollegen sind aktive Mitglieder in wissenschaftlichen Gremien oder Gesellschaften sowie in Redaktionen wissenschaftlicher Zeitschriften. So arbeitet man zwar in seinem Bereich, aber mit nationalen und internationalen Kolleginnen und Kollegen zusammen. Dieser Austausch bringt sehr viele neue Anregungen.

Hans-Rudolf Schärer: Unter dem Stichwort Kooperation schliesslich noch ein weiterer wichtiger Aspekt: In Luzern finden die Studierenden ein intellektuelles Umfeld, das von der Pädagogischen Hochschule, der Fachhochschule und der Universität Luzern geprägt ist. Inzwischen studieren hier 10'000 junge Menschen. Es ist eine grosse Chance, dass man als Student oder Studentin mit Studierenden aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammenkommt. Gerade für den Lehrberuf bringt dies eine wertvolle Öffnung auf die Gesellschaft hin, zumal der Lehrberuf ja ein gesellschaftlicher Beruf par excellence ist. Gleichzeitig bietet die PH Luzern immer noch überschaubare Strukturen und eine persönliche Arbeitsbeziehung zwischen Dozierenden und Studierenden.

Michael Zutavern: Ein Thema von 2017 ist auch der Lehrplan 21, der ab Schuljahr 2017/18 eingeführt wird und der auch in Volksabstimmungen breite Unterstützung fand. Viele Kolleginnen und Kollegen der PH Luzern haben sich massgeblich an diesem für das Schulwesen prägenden Projekt beteiligt, von den Arbeitsgruppen, die den Lehrplan erarbeitet haben, über die mehr als 200 Weiterbildungen, die wir in der ganzen Deutschschweiz dazu anbieten, bis hin zu zahlreichen Publikationen zum Thema Kompetenzorientierung.

Hans-Rudolf Schärer: Konsolidierung und Innovation – das bleibt das doppelte Ziel auch im Jahr 2018!


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