Internationaler Austausch 

Die PH Luzern pflegt internationale Netzwerke und unterstützt den Austausch von Studierenden und Dozierenden. Flurina Birri (22) studiert Sekundarstufe I an der PH Luzern und verbrachte das Herbstsemester 2021 in Trondheim, Norwegen. In ihrem Bericht beschreibt sie, was sie für die eigene Lehrtätigkeit mitnehmen will von diesem «unvergesslichen Auslandsemester». 

Trondheim liegt in einem kleinen Kessel zwischen zwei Hügeln und dem Trondheimsfjorden (einem der längsten Fjorde von Norwegen). Die zwei Hügel sind die Naherholungsorte, sie werden im Winter von vielen Kilometern Loipe durchzogen. Ganz Norwegen ist verrückt nach Langlauf! Im Sommer zeigen sich die Wanderwege unter dem Schnee. Im Zentrum Trondheims liegt die Altstadt mit ihren vielen bunten Holzhäusern und der berühmten Brücke bakke bru . Es gibt zahlreiche Museen und dutzende tolle Cafés. Fast 25 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind Studierende der NTNU – der grossen «Norges Teknisk-Naturvitenskapelige Universitet» respektive der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens.

Beeindruckende Umgangsformen 

Während meines Auslandsemesters habe ich meinen persönlichen Erfahrungsschatz mit vielen Begegnungen, Gesprächen und vielem mehr füllen dürfen. Durch diesen Aufenthalt in Skandinavien bin ich über eine längere Zeit intensiv mit Menschen aus einer anderen Kultur in Kontakt gewesen. Obwohl die Kultur in Norwegen sich auf den ersten Blick nicht von der Kultur in der Schweiz unterscheiden liess, wurde für mich durch genaues Hinschauen ersichtlich, dass es dennoch viele Unterschiede gibt. Besonders stark beeindruckten mich die Umgangsformen mit uns Studierenden, ebenso der Aufbau und die Gestaltung des Unterrichts. Ich zeige dies am Beispiel der Fächer «Kunsthandwerk» und «Musik» auf:

Schon zu Beginn stellten sich unsere Dozierenden mit dem Vornamen vor. Es entstand dadurch eine besondere Nähe – dennoch war die erforderliche Distanz zwischen Studierenden und Dozierenden immer da. Diese Distanz ergab sich durch das klare und dennoch sehr herzliche Auftreten. Zudem beeinflusste die fachliche Überhöhung der Dozierenden die Distanz. Ich war fasziniert von dieser Art und Weise des Unterrichtens. Mir wurde wieder einmal bewusst, wie wichtig die Beziehung, die Offenheit, das Interesse, die Wertschätzung und Klarheit für den Unterricht sind. Oft fragten uns die Dozierenden, was wir unternommen hätten und wie es uns gehe. 

Beachtung der Heterogenität erstaunlich 

Oft lachten wir zusammen und wenn etwas nicht klappte, motivierten und unterstützten uns die Dozierenden – selbst wenn dies «nur» durch kleine Gesten erfolgte. Durch diese Klarheit und wertschätzende Art lernte ich vieles dazu. Ich fand es bewundernswert, wie die Dozierenden das wertschätzende Unterrichten beherrschten. Schon allein durch das Beobachten konnte ich vieles von ihnen lernen.

Weiter fand ich die Beachtung und Unterstützung der Heterogenität erstaunlich. Im Fach Kunsthandwerk wie auch im Fach Musik bestanden grosse fachliche Unterschiede zwischen den Studierenden. Durch klare und dennoch offene Aufgabenstellungen war es allen Studierenden möglich, sich in der proximalen Entwicklungszone weiterzuentwickeln. Es entstanden grossartige Projekte und die Studierenden waren sehr motiviert – selbst wenn das Projekt in gewissen Prozessschritten scheiterte. Die Umsetzung der Projekte war durch die individuelle Unterstützung der Dozierenden und der Gruppenmitglieder/Klassenkameraden möglich. 

Nutzen der individuellen Stärken 

Auch im Fach Musik war die Umsetzung der Aufgaben sehr offen. Es war möglich kreativ zu sein, und es war möglich, in einer sehr heterogenen Gruppe zu arbeiten. Die Aufgaben waren herausfordernd, doch durch das Nutzen der Stärken der Gruppenmitglieder konnten die Aufgaben gelöst werden. Auch hier war die individuelle Unterstützung den Dozierenden wichtig. Nicht nur die Aufgabenstellung im Fach Musik hat mich inspiriert – auch die Vermittlung der Theorie und der hohe Stellenwert des Musizierens haben mich inspiriert. Bei beidem wird der Ansatz des «Machens», «Selber Erfahrens» und «Selber Ausprobierens» gewählt. Somit wird das Fach sehr handlungsorientiert unterrichtet. Für mich persönlich ist das Musizieren ein Fach, welches lebt – in diesem soll Musik gemacht werden.

Für meine berufliche Zukunft möchte ich die in Norwegen erlebte Offenheit, die Wertschätzung, das Interesse und die Begeisterungsfähigkeit in meinem eigenen Unterricht umsetzen. Die Heterogenität soll dabei eine grosse Rolle spielen. Weiter möchte ich den Ansatz des «Machens» so oft wie möglich umsetzen, damit das Gelernte besser spürbar wird und damit sowohl besser wie auch nachhaltiger aufgenommen werden kann. 

Jedes Jahr belegen Studierende der PH Luzern ein Semester im Ausland an einer der zahlreichen Partnerhochschulen der PH Luzern. Im Jahr 2021 konnten trotz Corona 24 Studierende ein Auslandsemester absolvieren und einige Studierende aus anderen Ländern ein Semester oder ein Praktikum der PH Luzern absolvieren. Weitere Angaben zu den Mobilitätssemestern finden sind beim International Office der PH Luzern.


Kontakt

Koordinatorin International Office
Mirjam Wallimann
MSc
mirjam.wallimann@phlu.ch
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