1. September 2020

Zwei Studentinnen bringen frischen Wind ins Klassenzimmer

Die Master-Studentinnen Rebecca Theiler und Flurina Alther haben in eigener Initiative eine Onlineplattform erstellt. Die Plattform bietet Lehrpersonen kostenlose Unterrichtseinheiten zu aktuellen Nachhaltigkeitsthemen. 

Flurina Alther und Rebecca Theiler im Gespräch an der Reuss

Lehrpersonen wollen aktuelle Themen zur Nachhaltigen Entwicklung im Unterricht bearbeiten. Dies ist jedoch mit einem Print-Lehrmittel, das bereits vor einigen Jahren erschienen ist, schwierig. Denn dazu fallen einige Stunden an Vorbereitungsarbeit an, damit die Inhalte auf dem neuesten Stand sind. Diesen Zeitaufwand mussten auch Rebecca Theiler und Flurina Alther auf sich nehmen als sie noch als Kindergarten- und Primarlehrpersonen arbeiteten. Um aktuelle Themen im Unterricht differenziert behandeln zu können, muss viel Zeit in Recherche und Vorbereitung investiert werden. «Für Lehrpersonen ist es viel einfacher, auf zeitnah aufgearbeitete Einheiten zugreifen zu können, welche sie den Ansprüchen ihrer Klassen anpassen können» meint Rebecca Theiler.

In Gesprächen, in denen sie sich 2018 im 1. Studienjahr ihres Fachdidaktikmasters «NMG und Nachhaltige Entwicklung» austauschten, entstand eine gemeinsame Idee: eine Onlineplattform mit aktuellen Nachhaltigkeitsthemen. «Wir wollen zum einen, dass die Lehrpersonen in ihrer Vorbereitungszeit entlastet werden und zum anderen, dass die Inhalte auf unserer Seite gut recherchiert und didaktisch sinnvoll aufbereitet sind» sagt Flurina Alther. Damit sie ihr Projekt realisieren können, beantragen sie auf Anraten ihres Dozenten Fördergelder von swissuniversities, welche im Rahmen der projektgebundenen Beiträge (PgB) das Programm «U Change» finanziert. «U Change ermöglicht unabhängige Projektarbeiten an den ETHs, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Schweizer Universitäten. Es unterstützt die Entwicklung und Umsetzung studentischer Ideen, Geschäftsmodellen sowie weitere Aktivitäten für eine Nachhaltige Entwicklung und ergänzt damit die Ausbildung an den Hochschulen. Zentral ist bei den geförderten Projekten die Zusammenarbeit mit anderen Studierenden, mit Unternehmen, mit der öffentlichen Hand oder mit NGOs» (http://www.u-change.ch/sd-universities/U-Change-2017-20.html). «Da die Eingabefrist beim Zeitpunkt der Projektidee schon fast verstrichen war, mussten wir innerhalb von zwei Wochen einen Antrag erarbeiten. Das war ziemlich stressig» erzählt Rebecca Theiler und lacht. Ihr Antrag wurde bewilligt und daraus entstand ihr gemeinsames Projekt.

Eine Onlineplattform am Puls der Zeit

Das digitale Rad der Zeit dreht sich immer schneller, die Corona-Krise hat das sogar noch beschleunigt. Zwar werden in Print-Lehrmittel schon seit einer Weile Nachhaltigkeitsthemen behandelt, jedoch ist es in diesem Format nicht möglich auf beispielsweise jetzige politische Debatten einzugehen. Ihr Anspruch an Aktualität unterschiedet das Projekt von Flurina Alther und Rebecca Theiler von den Themen in Print-Lehrmitteln.

Die Onlineplattform rückt Nachhaltigkeitsthemen in den Fokus, welche im derzeitigen Weltgeschehen wichtig sind und mediale Beachtung finden. Vor oder nach den Sommerferien gibt beispielsweise die Unterrichtseinheit «Hitzetage» eine gute Möglichkeit, sich mit dem Thema Klimaveränderung auseinanderzusetzen. Die Einheiten sind vor allem für den Zyklus 2 (3. – 6. Klasse) und teils für den Zyklus 3 (7. – 9. Klasse) erarbeitet. Jede Einheit enthält eine Planung, Unterrichtsmaterialien, einen didaktischen Kommentar und einen Beurteilungsvorschlag. (weitere Infos: Siehe Kasten). Die Einheiten sind fächerübergreifend und eigenen sich vor allem für den NMG-Unterricht.

Eine fertige Einheit ermöglicht Lehrpersonen, Inhalte im Unterricht aufzugreifen, ohne den Zeitaufwand zu betreiben, diese komplett selbst zu erstellen. Flurina Alther: «Als Kindergärtnerin war ich sehr dankbar auf qualitativ hochwertig aufgearbeitetes Unterrichtsmaterial zugreifen zu können. Vor allem in solch komplexen Bereichen wie in der Nachhaltigen Entwicklung.» Natürlich können die Lehrpersonen die Einheiten nach eigenem Geschmack oder regionalen Gegebenheiten anpassen. Die Vorbereitungszeit für Lehrpersonen mit der zur Verfügung gestellten Einheit wird stark reduziert, was in Anbetracht der knappen Zeitressourcen eine grosse Entlastung ist. Der zeitliche Einsatz im Unterricht beträgt ungefähr fünf Wochen, je nachdem, ob die Lehrpersonen das Thema noch weiter vertiefen wollen.

Die Motivation ist ungebrochen

Die Ideen für neue Inhalte holen sich die beiden Studentinnen aus dem aktuellen Weltgeschehen und den Tagesmedien. Verschiedene Zeitungen zu lesen gehört seit Projektbeginn zum festen Tagesritual wie auch das regelmässige Durchforsten von Foren und Hörbeiträgen. 
Bei der Erarbeitung einer neuen Unterrichtseinheit sind Flurina Alther und Rebecca Theiler in ständigem Austausch. Die gegenseitige Rückmeldung ist ihnen für die Ausarbeitung einer gelungenen Einheit sehr wichtig. «Es kann sonst schnell passieren, dass wir den Fokus verlieren und uns in Details verheddern» sagt Flurina Alther. «Und dann gibt es Themen, die nach einer Besprechung entweder ganz oder vorübergehend in der Schublade verschwinden».

Rebecca Theiler und Flurina Alther im Gespräch in der Sentimatt

Im Gespräch ist zu spüren, dass Rebecca Theiler und Flurina Alther noch einiges vorhaben. Zu den bereits vorhandenen Einheiten «Hitzetage», «E-Trottinetts» und «Klimastreiks» sind derzeit zwei neue Einheiten «Finanzplatz Schweiz» und «Schneearme Winter» in der Entstehung. Und da die Rückmeldungen von verschiedenen Schulleitungen und Fachpersonen durchwegs positiv sind, sind sie motiviert mit dem Projekt auch nach dem Auslaufen der U-Change Projektzeit weiterzufahren und sich weiterzuentwickeln. Für die Weiterführung des Projekts wünsche sie sich, dass die Lehrpersonen zusätzlich die Möglichkeit haben, sich aktiv einzubringen und Themen, die sie als aktuell und relevant betrachten, vorzuschlagen. Auf jeden Fall werden sich Flurina Alther und Rebecca Theiler weiter auf den Weg begeben und sich für ihre Anliegen engagieren. 

BNE aktuell! Logo

BNE kurz erklärt

Die 12 Gestaltungskriterien von de Haan:
Die Einheiten beziehen sich auf die 12 Gestaltungskompetenzen von Gerhard de Haan et al. (2008). Diese unterstützen die Lernenden dabei, Schwierigkeiten einer nicht nachhaltigen Entwicklung zu erkennen und das Wissen, über nachhaltige Entwicklung anwenden zu können.

  1. Weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen.
  2. Vorausschauend denken und handeln.
  3. interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen.
  4. Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können.
  5. Gemeinsam mit anderen planen und handeln können.
  6. An Entscheidungsprozessen partizipieren können.
  7. Sich und andere motivieren können aktiv zu werden.
  8. Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen können.
  9. Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren können.
  10. Selbstständig planen und handeln können.
  11. Empathie und Solidarität für Benachteiligte zeigen können.
  12. Vorstellungen von Gerechtigkeit als Entscheidungs- und Handlungsgrundlagen nutzen können.

BNE-Unterricht ist im Lehrplan 21 verankert und ist fächerübergreifend. Thematische Zugänge zu BNE sind:

  • Politik, Demokratie und Menschenrechte
  • Natürliche Umwelt und Ressourcen
  • Geschlechter und Gleichstellung
  • Gesundheit
  • Globale Entwicklung und Frieden
  • Kulturelle Identitäten und interkulturelle Verständigung
  • Wirtschaft und Konsum

Das innovative dieser Onlineplattform ist ihr Fokus auf aktuellen Themen. Flurina Alther und Rebecca Theiler befreien sich beim Erarbeiten der Einheiten vom Anspruch, dass diese in fünf Jahren noch einsetzbar sein müssen. Dadurch können sie sich konkret auf zeitnahe Geschehnisse konzentrieren und auf verändernde Gegebenheiten eingehen.


Kontakt

Assistentin IPU, Kommunikationsverantwortliche F+E
Sandra Betschart
Sentimatt 1
6003 Luzern
sandra.betschart@phlu.ch
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