23. Juni 2026

Neues umfassendes Buch zur Fachdidaktik Religionskunde

Mitte Juni 2026 erschien ein neues Lehrbuch zur Fachdidaktik Religionskunde. Die Autor*innen Dominik Helbling und Petra Bleisch beleuchten erstmals umfassend zentrale fachliche wie fachdidaktische Aspekte der Religionskunde und führen in zentrale Merkmale der Religionswissenschaft ein. Im Interview sprechen sie auch über die Bedeutung von Religion in unruhigen Zeiten und Welten.

Dominik Helbling, Petra Bleisch, was hat Sie dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben?

Helbling: Bislang gab es noch kein umfassendes Lehrbuch zur Fachdidaktik Religionskunde, weil diese fachdidaktische Disziplin relativ jung ist. Der Nomos-Verlag ist mit der Idee eines solchen Bandes auf uns zugekommen, und wir haben die Herausforderung gerne angenommen.

Bleisch: Es fehlten uns für den eigenen Hochschulunterricht Texte, die gleichzeitig viele Aspekte der Fachdidaktik erläutern, einen Überblick geben und gut lesbar für die Studierenden sind. Wir beleuchten nun erstmals umfassend zentrale fachliche wie fachdidaktische Aspekte der Religionskunde und setzen sie kompakt und konsistent miteinander in Beziehung.

Helbling: Darüber hinaus skizzieren wir, wie sich Religion in der Gesellschaft darstellt, führen in zentrale Merkmale der Religionswissenschaft ein, beleuchten den Zusammenhang zwischen Schüler*innen und Religion, entfalten den Bildungsauftrag dieses Fachs, beschreiben wichtige Komponenten des Lehrens und Lernens und diskutieren, wie professionelles Handeln einer Lehrperson ausschauen sollte.

Was soll Ihr Buch konkret bewirken?

Helbling: Wir möchten mit dem Buch eine Hilfe für angehende und praktizierende Lehrpersonen bieten, damit sie sich in dieser jungen Fachdidaktik möglichst gut orientieren können. Gleichzeitig wissen wir: Häufig sind es die Dozierenden in der Aus- und Weiterbildung, die dann mit Büchern wie diesem arbeiten. Sie sind wichtige Multiplikator*innen. Wir haben deshalb versucht, es gleichzeitig relativ leicht verständlich zu verfassen und unsere Überlegungen durch eine gründliche Recherche wissenschaftlich zu untermauern. Deshalb hoffen wir, dass unser Buch Orientierung für den Schulunterricht und den fachdidaktischen Diskurs geben kann.

Bleisch: Dabei haben wir uns nicht nur mit der Schweiz, sondern auch mit Deutschland und Österreich befasst. Diese Grundlage soll es Interessierten aus den drei Ländern erleichtern, noch besser oder enger zusammenzuarbeiten als bisher.

Welche Rolle schreiben Sie der Religion in unruhigen Zeiten, wie wir sie aktuell erleben, generell zu?

Helbling: Ich sehe, dass Religion in unseren Breitengraden zwar weniger in traditionellen Formen praktiziert wird, unsere Epoche jedoch gleichzeitig religiös hoch produktiv ist. Zahlreiche gesellschaftliche Debatten sind mit Religion verbunden und auch in Kunst und Populärkultur spielt Religion eine gewichtige Rolle. Vor allem aber bieten die verschiedenen religiösen Ausdrucksformen und Traditionen Menschen immer noch Orientierung und Sinn.

Bleisch: Gleichzeitig sehen wir, dass aktuelle Ereignisse immer wieder Diskriminierung und Gewalt befördern. Dies trifft etwa Menschen in Besonderem Mass zu, die als jüdisch oder muslimisch identifiziert werden. Auch im Schulalltag in der Schweiz sind diese Auswirkungen spürbar.

Welche Rolle kann der Religionskundeunterricht in diesem Zusammenhang übernehmen?

Bleisch: Es geht in erster Linie darum, das Phänomen Religion in unserer Gesellschaft zu erkunden und damit umgehen zu lernen. Dabei wird deutlich, dass Religion sehr vielfältig ist, sich durch die Geschichte hindurch immer wieder verändert hat und auch von Menschen der gleichen Zugehörigkeit unterschiedlich gelebt wird. Diese Erkenntnisse sollen den Schüler*innen ermöglichen, religiöse Praktiken der Menschen nicht als etwas Statisches zu sehen. Schüler*innen, die mit Religion aufwachsen, sollen zudem verstehen, dass es Menschen gibt, für die Religion keine Bedeutung hat. Und umgekehrt.

Helbling: Dazu bringt der Unterricht die Lebenswelt der Schüler*innen in einen Dialog mit verschiedenen religiösen Sachverhalten. Dabei nutzt der Unterricht Werkzeuge und Konzepte aus der Religionswissenschaft.

Wie offen sind Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit für Religionskundeunterricht?

Bleisch: Sehr viele Kinder interessieren sich für ihnen noch nicht Bekanntes. Jüngere Kinder haben vor allem für Bräuche und Feste eine grosse Motivation.

Helbling: Vor zwanzig Jahren haben Studien schon gezeigt, dass sich Schüler*innen einen Unterricht zu Religion wünschen, der objektiv, informativ und unabhängig von religiöser Zugehörigkeit ist und an ihre Lebenswelt anschliesst. Das löst die Religionskunde ein. Es bleibt zugleich eine didaktische Herausforderung, einen Unterricht zu schaffen, in dem die Schüler*innen aktiv sind, anspruchsvolle Aufgaben lösen und dabei etwas Relevantes fürs Leben lernen können. Wir freuen uns jeweils, wenn wir bei Praktikumsbesuchen beobachten können, wie die Köpfe rauchen und die Zeit wie im Flug vergeht.

Autor*innen: Dominik Helbling, Petra Bleisch. Titel: Fachdidaktik Religionskunde. Untertitel: Studienkurs Religion. EAN: 9783848780044. ISBN: 978-3-8487-8004-4.


Kontakt

Fachleiter Ethik und Religionen, Fachkoordinator Ethik und Religionen SEK I
Dominik Helbling
Prof. Dr. theol.
Sentimatt 1
6003 Luzern
dominik.helbling@phlu.ch
Portrait
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