29. Oktober 2026

Gegen die Angst vor Zahlen: Florian Klisanin radelt für mehr Verständnis

Florian Klisanin war für eine besondere Aktion auf Tour de Suisse. Vom 19. bis 23. Oktober 2026 wollte er sämtliche 15 Pädagogischen Hochschulen der Schweiz mit dem Gravelbike anfahren. Doch die sportliche Leistung war nicht das eigentliche Ziel. Der 21-Jährige will in der Ausbildung angehender Lehrpersonen auf eine Lernstörung aufmerksam machen, die bei ihm als Schüler nicht erkannt worden war und die für unliebsame Umstände sorgte: Dyskalkulie.

1'048 Kilometer, 10'300 Höhenmeter und 15 Pädagogische Hochschulen in fünf Tagen: Der 21-jährige Florian Klisanin aus Uster (Bild links) hatte sich Aussergewöhnliches vorgenommen. Mit dem Gravelbike fuhr er im Oktober 2026 quer durch die Schweiz, um auf eine Lernstörung aufmerksam zu machen, die ihn selbst seit seiner Kindheit begleitet: Dyskalkulie. Seine Botschaft war und ist klar: Wer Schwierigkeiten mit Zahlen hat, ist weder faul noch weniger intelligent.

Am Freitag, 23. Oktober 2026, stoppte er an der PH Luzern. Dort tauschte er sich auf Einladung von Annelies Kreis, Prorektorin Ausbildung, bei einem Mittagessen (Bild unten) in der Mensa des PH-Standorts Sentimatt mit Dozierenden, Koordinatorinnen für Schulische Heilpädagogik auf Stufe SEK I sowie Studiengangsleitenden aus. Gemäss Maurus Küttel, Fachleiter Mathematik an der PH Luzern, freute sich Florian Klisanin unübersehbar «darüber, dass und wie stark wir für die Problematik sensibilisiert sind. Wir waren uns in den diskutierten Punkten dahingehend einig über das von uns vermittelte, fachdidaktische Wissen. Und er meinte: Hätten seine Lehrpersonen über dieses Wissen und die daraus abgeleiteten Massnahmen verfügt, wäre seine Schulzeit erheblich erleichtert worden.»

In dieser machte er viele frustrierende Erfahrungen. Während andere Kinder mathematische Aufgaben mühelos lösten, kämpfte Florian Klisanin mit Zahlen, Mengen und Rechenwegen. In seiner Volksschulzeit blieb unklar, warum ihm Mathematik so schwerfiel. Erst im 10. Schuljahr erhielt er die Diagnose Dyskalkulie – eine spezifische Lernstörung, die das Verständnis und die Verarbeitung von Zahlen beeinträchtigt. 

Darum ist für Thomas Müller, an der PH Luzern Co-Leiter des Masterstudiengangs Schulische Heilpädagogik, wichtig, «dass Lehrpersonen auf allen Stufen wissen, dass es im mathematischen Lernen zu Schwierigkeiten unterschiedlichster Art kommen kann, die meist aus dem Zusammenwirken von unterschiedlichen Ursachen bestehen. Mangelnde Motivation ist dabei meist Folge von entsprechenden Schwierigkeiten, kann zugleich aber auch weitere Schwierigkeiten verursachen.» Das heisst: Wer sich selbst wenig zutraut, wird auch dadurch ganz erheblich im mathematischen Lernen beeinträchtigt. Eine von Müllers Folgerungen daraus: Lehrpersonen sollten sich stets bewusst sein, dass Schüler*innen mit diagnostizierten Rechenschwierigkeiten nicht nach einem Standardrezept gefördert werden können. «Vielmehr bedarf es der genauen Analyse der Rechenschwierigkeiten, um anschliessend mit adäquaten Fördermassnahmen Unterstützung bieten zu können.»

Florian Klisanins Forderung, Dyskalkulie müsse in der Lehrpersonenausbildung einen festen Platz erhalten, wird an der PH Luzern längst gelebt. Wie dem 21-Jährigen geht es auch der Pädagogischen Hochschule um weit mehr als Zahlen. Oder wie es Stefan Küng, an der PH Luzern Dozent für Heilpädagogik, ausdrückt: «Es geht um Chancengerechtigkeit, um Anerkennung und um die Überzeugung, dass kein Kind an einer unerkannten Lernstörung scheitern sollte.»


Kontakt

Prorektorin Ausbildung
Annelies Kreis
Prof. Dr. phil.
Pfistergasse 20
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annelies.kreis@phlu.ch
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