Prorektorin Dorothee Brovelli im Interview

Dorothee Brovelli blickt in einem Kurzinterview zurück auf 2025 mit dem erfolgreichen SGBF-/SGL-Kongress und plant eine weitere grosse Tagung.

 

Welches waren im Leistungsbereich Forschung und Entwicklung (F&E) die grössten Herausforderungen im Jahr 2025 und wie wurden diese gemeistert?
Aufgrund der fehlenden Grundfinanzierung der PHs durch den Bund und der tiefen Forschungsfinanzierung durch den Träger ist die PH Luzern stark abhängig von kompetitiv eingeworbenen Mitteln für F&E. Daher stellen die bereits erfolgten Kürzungen des Bundes bei den Projektgebundenen Beiträgen (PgB) und die sinkenden Förderquoten beim Schweizerischen Nationalfonds eine Herausforderung dar, die sich mit dem Entlastungspaket ’27 weiter verschärfen wird. Dennoch konnten wir bei den noch bestehenden PgB ausserordentliche Erfolge erzielen bei den strategisch wichtigen Themen Chancengerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Nachwuchsförderung. Der Start der neuen PgB-Phase, aber auch vermehrte Anstrengungen bei weiteren Förderinstitutionen, eröffneten trotz notwendigen Personalreduktionen zusätzliche Perspektiven. Personalpolitische Herausforderungen ergeben sich aus unseren spezifischen Erfordernissen an Qualifikationen und dem fehlenden Promotionsrecht der PHs. Wir begegnen diesen mit gezielter Nachwuchsförderung und starken Kooperationen, z. B. mit der PH Heidelberg. Schliesslich bleibt es eine dauerhafte Aufgabe berufsfeldorientierter F&E, die Erkenntnisse aus der Forschung und die Innovationen aus Entwicklungsprojekten im Berufsfeld Wirkung entfalten zu lassen. Wir erreichen dies durch Bemühungen um eine enge Zusammenarbeit der Leistungsbereiche und den intensiven Austausch mit dem Berufsfeld. So können wir stolz sein auf unsere erstklassigen wissenschaftlichen Publikationen und unsere besondere Stärke in der Entwicklung zahlreicher Lehrmittel für renommierte Schulbuchverlage.

Ein Highlight des Jahres war der SGBF/SGL-Kongress Anfang Juli 2025: Was ist die Legacy dieses Kongresses mit seiner ausserordentlich hohen Zahl an Teilnehmenden?
Der Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung (SGBF) und der Schweizerischen Gesellschaft für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (SGL) an der PH Luzern mit rekordhoher Beteiligung und 50-Jahr-Jubiläum der SGBF war ein besonderer Höhepunkt. Drei Tage lang wurde die PH Luzern zum Zentrum des wissenschaftlichen Austauschs für alle in der Bildungsforschung relevanten Disziplinen und für die Lehrpersonenbildung. Das Tagungsthema «Bildung in einer diversen und komplexen Welt» stiess mit 730 Teilnehmenden auf überwältigenden Anklang und ermöglichte Impulse zu aktuellen gesellschaftlich relevanten Forschungsfragen, die unsere F&E-Institute schwerpunktmässig adressieren. Wir nehmen also eine Stärkung unserer Forschungsfelder, eine Positionierung in der Scientific Community und positive Erinnerungen mit. Dies sind auch beste Voraussetzungen für die Durchführung einer weiteren grossen nationalen Tagung, die wir am 2. und 3. Juli 2026 durchführen, nämlich die von swissuniversities und der Koordinationskonferenz Fachdidaktik Schweiz unterstütze «7. Tagung Fachdidaktiken» zum Thema «Evidenzorientierung in den Fachdidaktiken: aktuelle Erkenntnisse und Perspektiven».

Seit Mai 2025 führt die PH Luzern einen UNESCO-Lehrstuhl für Didaktik der Nachhaltigkeitswissenschaft und politische Bildung: Wie lautet Ihre Zwischenbilanz per Ende 2025, welche Ziele werden als nächste angepeilt?

Die Verleihung des UNESCO-Lehrstuhls ist für die PH Luzern eine grosse Ehre. Dieser konnte auf zahlreiche praxisrelevante Projekte und Aktivitäten unserer beiden Institute für Fachdidaktik MINT und Nachhaltigkeit und für Fachdidaktik der Gesellschaftswissenschaften aufbauen. Seit der gelungenen Inauguration des Lehrstuhls im Mai 2025 wurden grundlegende Beiträge publiziert zur konzeptionellen Schärfung einer Didaktik, die sich mit komplexen, kontroversen und zukunftsrelevanten Fragen auseinandersetzt. Dies ist wichtig, weil Bildung für nachhaltige Entwicklung und politische Bildung in den Schulen einen immer höheren Stellenwert bekommen, z. B. im neuen Maturitätsanerkennungsreglement. Parallel dazu wurde die Vernetzung innerhalb der PH Luzern und mit dem Berufsfeld gezielt vorangetrieben. National wurden zentrale Kooperationen initiiert, etwa die PgB-Projekte «Nachhaltigkeitskultur Campus Luzern» mit der Hochschule Luzern und der Universität Luzern und «Zukunftsfähige Lehrpersonenbildung» mit PHs in der ganzen Schweiz. Nun stehen die Stärkung der internationalen Vernetzung und der empirischen Forschung an.


Kontakt

Prorektorin Forschung und Entwicklung
Dorothee Brovelli
Prof. Dr. sc. nat.
Sentimatt 1
6003 Luzern
dorothee.brovelli@phlu.ch
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