8. September 2020

PH Luzern gestaltet «Erinnerungswege» mit

«Erinnerungswege am Bürgenberg» bei Stansstad arbeiten den Franzoseneinfall von 1798 auf. Geschichtsvermittler der PH Luzern spielen dabei eine zentrale Rolle.

Symbolbild Franzoseneinfall

Am 9. September 1798 marschierten französische Truppen in Nidwalden ein und zwangen die Bevölkerung, die Helvetische Einheitsverfassung anzunehmen – nach dem Vorbild des zu jener Zeit revoltierenden Nachbarlands. Am 9. September 2020 erhält die Gemeinde Stansstad das Projekt und Produkt «Erinnerungswege am Bürgenberg» im kleinen Rahmen überreicht. Wegen Corona ist die feierliche Übergabe an die Bevölkerung ein Jahr später geplant.

Der Stansstader Gemeindeschreiber und Geschäftsführer Lukas Liem begleitet das Projekt zusammen mit dem ehemaligen Kollegi-Geschichtslehrer Rafael Schneuwly seit der ersten Stunde. Die beiden erklären, wie es entstanden ist, welche Ziele und Zielgruppen erreicht werden sollen – und warum die PH Luzern eine ganz wichtige Rolle spielt.

Bitte nennen Sie die wichtigsten Meilensteine des Projekts, von der ersten Ideen bis zum ersten kleinen Festakt am 9. September 2020.

Lukas Liem: Das Projekt ist eines von vielen, das im Rahmen des 600-Jahr-Jubiläums der Gemeinde Stansstad (2020) entstanden ist. Inzwischen sind wegen Corona praktisch alle Events des Jubiläums um ein Jahr auf 2021 verschoben worden; unser Projekt ist aber rechtzeitig fertig geworden und wird nun am 9. September im kleinen Rahmen an die Gemeinde übergeben. Die Übergabe an die Bevölkerung ist für den 4. September 2021 mit einer grossen Feier hoch oben auf dem Bürgenberg vorgesehen.

Rafael Schneuwly: Am 4. Juli 2018 schlug der Feldschiessverein Obbürgen mit seinem Präsident Fredy Barmettler vor, im September 2020 zu Ehren des «Vereinspatrons» Schütz Christen in Obbürgen einen Gedenkanlass zu organisieren. Schütz Christen war am 9. September 1798 einer der Nidwaldner Helden im Kampf gegen die Franzosen und fand an diesem Tag den Tod. Der FSV führt Schütz Christen in der Vereinsfahne.

Lukas Liem: Das OK des Jubiläums gab dann seinem Mitglied Rafael Schneuwly den Auftrag, mit Fredy Barmettler das Projekt zu gestalten. Am Gedenktag wurde festgehalten, zusätzlich brachte Rafael die Idee eines Historischen Wegs zum Thema «Kämpfe in Stansstad und am Bürgenberg» ins Spiel. Trotz der zu erwartenden hohen Kosten akzeptierten das OK und der Gemeinderat Stansstad das Projekt, weil es etwas Nachhaltiges bedeutete und zudem die vier Ortsteile Stansstad, Kehristen, Fürigen und Obbürgen historisch und ideell miteinander verband.

Rafael Schneuwly: Die organisatorische und wissenschaftliche Leitung wurde Peter Gautschi und Kurt Messmer von der PH Luzern anvertraut. Später stiess mit Thomas Küng ein Grafiker zum Team, in dem auch Fredy Barmettler und ich mitarbeiteten. 

Warum kam es zur Zusammenarbeit mit der PH Luzern?

Rafael Schneuwly: Für mich war von Beginn an klar, dass die PH Luzern ins Boot geholt werden musste. Zum einen sollte beim Projekt ein möglichst hohes Qualitätsniveau angestrebt werden, zum anderen hatte sich die Pädagogische Hochschule bei der Realisierung von Historischen Wegen und Vermittlungen einen guten Namen geschaffen, zum Beispiel mit dem Projekt bei Rathausen oder im Bourbaki Museum in Luzern.

Welche Rolle haben namentlich Peter Gautschi und Kurt Messmer von der PH Luzern gespielt bei der Realisierung des Projekts?

Lukas Liem: Die beiden übernahmen die organisatorische und wissenschaftliche Leitung des Projekts. Peter Gautschi war dank seiner ausgezeichneten Kontakte das politische und organisatorische Haupt der Gruppe und regelte auch die finanziellen und juristischen Punkte mit der Gemeinde Stansstad; Kurt Messmer war der brillante Verfasser von Texten und der unermüdliche Didaktiker und Ideengeber.

Das Thema «Franzoseneinfall» ist in der Region nicht ganz frei von gemachten Meinungen und gar Vorurteilen - trotzdem kommt Ihr Projekt jetzt nicht belehrend daher, sondern eher vermittelnd und erklärend: War das von Beginn weg klar?

Lukas Liem: Wenn man die Texte und das didaktische Schaffen von Kurt Messmer kennt, war es klar, dass das Projekt in dieser Richtung verlaufen würde. Das Ziel war immer, für die Erlebniswege so viel Material zur Verfügung zu stellen, dass Interessierte sich selber ein Bild machen können. Ein bisschen belehrend ist das Projekt insofern, als dass sich die Arbeitsgruppe von Anfang an das Ziel setzte, die in Nidwalden vorherrschende Meinung von den mörderischen Horden der Franzosen und den unschuldig überfallenen Nidwaldnern zu korrigieren. Deshalb wird konsequent von «Franzoseneinfall» und nicht von «Überfall» gesprochen.

Teilen Sie die Grundhaltung, dass Schweizer Geschichte besonders gut mit Geschichten vermittelt werden kann?

Rafael Schneuwly: Wo Menschen ins Spiel kommen, spielen Geschichten eine Rolle. Dabei kommt es nicht darauf an, in welchem Land oder in welchem Kulturkreis ein historisches Ereignis passiert. Streng genommen dürfte man Geschichten erst dann schreiben, wenn schriftliche Quellen vorliegen. Aber Schriftsteller wie der Luzerner Franz Heinrich Achermann haben bewiesen, dass man spannende Geschichten auch mit prähistorischen Themen verbinden kann. Die Quellenlage zu den Ereignissen vom September 1798 ist übrigens recht dünn und vor allem aus französischer Sicht gibt es nur wenige Informationen. Das war für Kurt Messmer eine zusätzliche Herausforderung.

Welche Zielgruppen möchten Sie vor allem ansprechen?

Rafael Schneuwly: Etwas vereinfacht gesagt sind alle Menschen, die sich für Geschichte interessieren, unsere Zielgruppe. Das können Schüler sein, aber auch Erwachsene jeglichen Alters.

Lukas Liem: Aus diesem Grund weisen wir darauf hin, dass man die Zielorte auf verschiedensten Wegen erreichen kann: zu Fuss, mit dem Postauto, dem Privatwagen, mit dem Schiff oder mit der Bürgenstock-Bahn.

Rafael Schneuwly: Genau! Touristen sollen motiviert werden, die vor der Haustüre liegenden Orte mit den Wegmarken zu besuchen. Wir hoffen auch auf Besuchende aus der Romandie und dem Tessin, die eine ganz andere Beziehung zur Helvetik haben als die Menschen in der Zentralschweiz.

Ist auch denkbar, dass das aktuelle Projekt ergänzt wird, wenn sich erweisen sollte, dass dieses über 200 Jahre alte Thema noch heute auf grosses Interesse stösst?

Rafael Schneuwly: Am 9. September geht eine erste Etappe zu Ende, die vor über zwei Jahren begann. Das Resultat hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Das gibt uns den Mut, nach Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt weiterzumachen.

Lukas Liem: Vieles hängt davon ab, ob es uns gelingt Geldgeber zu finden. Ideen für einen Ausbau haben wir genug: einen Einstiegs- und Werbe-Film als 2D-Luftaufnahme; ein interaktives 360°-Panorama als Mixed-Reality-Angebot; ein Augmented Reality Project vor Ort. Und natürlich wollen wir den Flyer mit den Plänen und Stationen am Bürgenberg in zusätzlichen Sprachen auflegen.


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