26. August 2026

Fachlicher Austausch in Leipzig und Halle

Marius Portmann, Fachleitung Textiles und Technisches Gestalten, hat im Rahmen des Swiss-European Mobility Programmes (SEMP) an einer Fachexkursion der Schweizerischen Gesellschaft für Lehrerinnen- und Lehrerbildung teilgenommen. Er berichtet vom Austausch mit der Universität Leipzig, der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, der Initiative Lokal Textil und der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig.

Ende Juni 2026 war ich mit einer Fachgruppe aus mehreren pädagogischen Hochschulen in Leipzig und Halle. Die SGL hatte den Austausch mit den Gastinstitutionen vorbereitet und so einen Rahmen geschaffen, der über ein Besichtigungsprogramm hinausgeht.

Am Institut für Pädagogik der Universität Leipzig erhielten wir Einblick in drei Module des Sommersemesters, in die Grundlagen des Faches Werken als technisches Gestalten, in die Fachdidaktik mit Fokus auf Lernumgebungen und Aufgabenkultur sowie in die Projektorientierung mit Blick auf Diversität. Auch in Leipzig wird vom Design- und Gestaltungsprozess her gedacht, und der Bezug zur Schweizer Fachdiskussion ist eng. Die Zeitschrift Werkspuren war gut vertreten, ebenso mehrere Schweizer Lehrmittel aus dem Bereich Design und Technik. Ergiebig war deshalb nicht der Vergleich der Grundlagen, sondern die Frage nach der Schwerpunktsetzung.

Lena Seik und Eva Howitz haben uns ihre Arbeit im Rahmen der Initiative Lokal Textil vorgestellt. Der Zugang führt über die textile Sachkultur, über regionale Produktion und über Materialien und Verfahren als Kulturträger. Das aus diesem Zusammenhang entstandene Bilderbuch ist ein brauchbarer Ausgangspunkt für Aufgabenstellungen, die Herkunft und Herstellung von Dingen zum Thema machen, ohne beim moralischen Appell zu enden.

An der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle hat mich vor allem die Offenheit beeindruckt, mit der die Studierenden ihre Prozesse führen, und die Selbstverständlichkeit, mit der sie Ungewissheit aushalten. Genau diese Haltung leben wir auch in Luzern. Die BURG zeigt, dass sich ein solches Prozessverständnis über eine ganze Institution hinweg tragen lässt.

Eine dialogische Führung in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig hat das Fach in ein breiteres Feld gestellt, zwischen aktueller künstlerischer Praxis, Designgeschichte und schulischem Gestalten. Über die Institutionen hinweg, in den Diskussionen der Fach-Community wie auch in den Gesprächen am Rand des Programms, kehrten wir immer wieder zur gleichen Frage zurück. Wie verändert sich unser Fach mit der Lebenswelt, in der die Lernenden aufwachsen. Making und Tinkering sind dabei nicht bloss Etiketten. Sie verweisen auf eine Werkstattkultur, in der digitale Fabrikation und Handwerk nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich ergänzen, so wie das im Alltag vieler Berufe längst der Fall ist. Lasercutter und 3D-Drucker verlangen neben dem handwerklichen Können ein Verständnis von Daten und Verarbeitungsketten, und sie verschieben die Aufgabenkultur. Wo Prototypen als in Material gegossene Gedanken verstanden werden und der Prozess iterativ zwischen Idee, Konstruktion und Erprobung wechselt, verändert sich auch die Rolle der Lehrperson. Sie begleitet, statt Schritt für Schritt anzuleiten, und muss Scheitern als Teil des Lernprozesses aushalten und produktiv machen. Damit schliesst sich der Kreis zu den Beobachtungen in Halle. An diesem Punkt arbeiten wir in unserer Ausbildung längst, mit offenen Aufgabenstellungen und mit Lernumgebungen, die Ungewissheit zulassen. Der Austausch hat mir bestätigt, dass wir damit richtig liegen, und er liefert Argumente, diesen Weg konsequenter weiterzutreiben. Dass sich eine Fachgemeinschaft über Hochschul- und Landesgrenzen hinweg mit dieser Frage beschäftigt, ist der eigentliche Wert eines solchen Austauschs.

Zurück in Luzern nehme ich vor allem eine Schärfung des eigenen Standpunkts mit. Bei der Aufgabenkultur und beim Umgang mit offenen Prozessen sehe ich nun deutlicher, wo wir gut aufgestellt sind und an welchen Stellen es sich lohnt, konsequenter zu werden. Dazu kommen Kontakte am Institut für Pädagogik und an der BURG, die über den einzelnen Besuch hinaus tragen. Denkbar sind ein gegenseitiges Hospitieren, gemeinsame Lehrveranstaltungen oder die Beteiligung an der Fachdiskussion, etwa in den Werkspuren.


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