13. Juli 2020

120 Lehrpersonen in der Summer School

Wer in den letzten Tagen in der Sentimatt Programmpunkte der Summer School besuchte, erlebte Eindrückliches. 

Zum einen Referate, Workshops und Diskussionen zum Thema «Digital Teaching», die grossen Anklang fanden und allesamt auf sehr hohem Niveau waren; zum anderen 120 Lehrpersonen, die, um sich mit der Thematik Pedagogik & Technik auseinanderzusetzen, ihre erste Ferienwoche hergaben, Kursgeld bezahlten, in bisweilen etwas gar warmen Räumlichkeiten intensiv arbeiteten – und das alles nach einem Frühlingssemester, nach dem das Bedürfnis nach Urlaub so gross war wie kaum je zuvor.

Den perfekt passenden Abschluss dieser arbeitsreichen Tage bildete am Freitag ein Podiumsgespräch, das eben nicht klärte, was jetzt Sache und zu tun ist, sondern aus vielen Inputs bestand, die reflektiert, aufgenommen und zur Anwendung kommen können. Jürg Arpagaus, Prorektor des PH-Leistungsbereichs Weiterbildung und zusammen mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Sabrina Eigenmann die treibende Kraft hinter der «Summer School – Digital Teaching»-Woche, hatte die Diskussion perfekt und gewollt-provokant lanciert, indem er fragte: Braucht es künftig noch Lehrpersonen, wenn die künstliche Intelligenz zunehmend mehr von deren Arbeit übernehmen kann? Und: Wozu sollen Lehrpersonen sich in vier oder fünf Jahren ausbilden lassen, wenn ganz viel Unterrichtsmaterial jederzeit und für jedermann abruf- und anwendbar ist in Form von strukturierten Lektionen, Grafiken, Übungen, Prüfungsfragen und -antworten?

Sozialer Teil des Lernens gewinnt an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund durfte nicht erstaunen, dass Moderator Jürg Arpagaus das Wort nicht bloss den vier Podiumsgästen Barbara Josef (Kommunikationsfachfrau, Beraterin in Fragen zur Zukunft der Arbeit), Alex Messerli (Präsident des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands, Daniel Degen (PH Luzern, Weiterbildung/Berufsbildung) und Thomas Steimen (DVS, Informatik) das Wort geben durfte, sondern auch engagierten Teilnehmerinnen im Publikum.

Konsens gab es dahingehend, dass Lehrpersonen vermehrt Orientierung schaffen sollten, noch stärker begleitend wirken müssen, weil der soziale Teil des Lernens an Bedeutung gewinnen werde.

Einigkeit herrschte auch darüber, dass der Arbeitsmarkt noch dynamischer werde und darum fachübergreifende Kompetenzen zunehmen wichtiger seien. Ein Aspekt dabei: Anwendungskompetenzen, etwa in Bezug auf Office-Programme, sind nach wie vor wichtig, aber als wünschenswert erachtet wurde in der Diskussion, dass Jugendliche sich vermehrt in damit verbundene Prozesse einbringen.

Die Kernaussage der Podiumsdiskussion ist wohl auch die Kernaussage der ganzen Woche, und sie kam abermals auf einen gekonnt gesetzten Input von Jürg Arpagaus zustande, der fragte: Viele Schulen investieren einiges in die neuen Technologien, aber werden die Schülerinnen und Schüler dadurch besser ausgebildet? Die Teil-Antworten darauf, auch vor dem Hintergrund, dass offenbar zahlreiche Schulen IT-Fachkräfte haben, diese sich jedoch vorwiegend mit Technik, Administration und Organisation beschäftigen, die Pädagogik jedoch oft auf der Strecke bleibt:

  • «Das Medium darf nicht über die Pädagogik entscheiden.» (Daniel Degen)
  • «Es braucht Weiterbildungen auf verschiedenen Ebenen.» (Thomas Steimen)
  • «Die PH bietet Kurse zu pädagogischen und didaktischen Fragen des Digitalen Lehren und Lernens an. Leider ist die Nachfrage danach nicht all zu gross.» (Daniel Degen)
  • «Wichtig ist, dass die Ausbildung die Veränderungen aufnimmt und einbaut. Darum plädiere ich für eine weiterhin lange Ausbildung der Lehrpersonen.» (Alex Messerli)
  • «Lehrpersonen können brillant Geschichten erzählen, das macht sie grossartig.» (Barbara Josef)
  • «Viele Fragen bleiben die gleichen, aber aufgrund der neuen Toolbox sind die Antworten andere.» (Jürg Arpagaus)

Und die Kernaussage der Einigkeit: Technik kann helfen, aber die guten Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden sind das A und O in der Ausbildung. Man soll nicht Mensch gegen Technik ausspielen, sondern Wege finden zum Miteinander.

Die Summer School 2020 hat eindrücklich gezeigt, wie das funktionieren kann.


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