Sprachlich-literarische Bildung als Denkrahmen für die Deutschdidaktik und das literarische Unterrichtsgespräch

Sprachlich-literarische Bildung ist mehr als literarhistorisches Wissen und mehr als die Analyse und Interpretation literarischer Texte - vor allem durch Literatur kann die Individualität und die «Freiheit des poetischen Sprechens» erfahren werden.

Übersicht

Forschungsschwerpunkt / Themenfeld
  • Forschungs- und Entwicklungsgruppe
  • Sprachen und Schrift
  • Forschungs- und Entwicklungsgruppe
  • Sprachen und Schrift
Status
laufend
laufend
Zeitraum
01.09.2017 - 31.08.2018
01.09.2017 - 31.08.2018

Beschreibung

Im Rahmen des Projekts soll ein erweitertes Konzept «sprachlich-literarischer Bildung» theoretisch begründet und praktisch konkretisiert werden, das nicht einseitig auf literarhistorisches Bildungswissen und die Analyse und Interpretation literarischer Texte fokussiert ist. Bei der theoretischen Begründung beziehe ich mich vor allem auf die Sprachphilosophie, Bildungstheorie und Anthropologie Wilhelm von Humboldts und Eugenio Coserius und deren Relektüre und Aktualisierung durch den Deutschdidaktiker Hubert Ivo und den Romanisten Jürgen Trabant. Im Kern steht dabei die Auffassung, dass der Bildungswert der Literatur in ihrer spezifischen Sprachlichkeit besteht. Literatur wird nicht als abweichend vom «normalen» Sprachgebrauch gedacht, sondern als «Ort der Entfaltung der funktionellen Vollkommenheit der Sprache» (Coseriu). Vor allem durch Literatur kann deshalb die Individualität, die Vielfalt der Sprache und die «Freiheit des poetischen Sprechens» (Trabant) produktiv und rezeptiv erfahren werden. Beim Lesen, Schreiben, Sprechen und Hören von Literatur kann mit Sprachnormen gespielt, können Sprachnormen individuell angeeignet, überschritten oder neu gesetzt werden. Dies ist ein wesentliches Element sprachlicher Bildung durch Literatur und stellt eine wichtige Ergänzung bzw. ein Korrektiv zu einem einseitig pragmatischen, instrumentellen und an vorgegebenen Normen orientierten Sprachgebrauch dar.

Mit einem erweiterten Konzept «sprachlich-literarischer Bildung» soll ein Beitrag zur fachdidaktischen Gegenstandskonstitution geleistet werden. Fachdidaktik muss ihre Gegenstände immer auch theoriegeleitet bestimmen und sie kann sich dabei an unterschiedlichen Bezugstheorien orientieren. Ein solcher «Denkrahmen» hat auch einen wesentlichen Einfluss auf konkrete Unterrichtskonzepte. Das von Gerhard Härle und mir konzipierte «Heidelberger Modell» des literarischen Unterrichtsgesprächs wird ebenfalls mit der Hermeneutik und Sprachtheorie Humboldts und Schleiermachers begründet. Im Kern steht hier die Auffassung, dass die spezifische Sprachlichkeit der Literatur auch die Art und Weise beeinflusst, wie wir über Literatur sprechen und dass genau dies (und weniger die «Inhalte» der Texte und Gespräche) den Bildungswert literarischer Gespräche ausmacht. Hubert Ivo bezeichnet in diesem Sinn das «Reden über poetische Sprachwerke» als «ein Modell sprachverständiger Intersubjektivität». In meinen Arbeiten zum literarischen Unterrichtsgespräch konkretisiere ich die praktische Umsetzung des «Heidelberger Modells» und zeige an konkreten Gesprächsbeispielen auf, wie bzw. in welchem Modus über literarische Texte gesprochen werden kann. Ich beschreibe dies als ein nicht-definitorisches, suchendes, abwägendes und tentatives Sprechen, das ich zusammenfassend als ein «mimetisches Sprechen» bestimme.


Organisation

Beteiligte interne Organisationen
Forschungs- und Entwicklungsgruppe Sprachen
Forschungs- und Entwicklungsgruppe Sprachen
Finanzierungstyp
Forschungsförderung PH Luzern
Forschungsförderung PH Luzern

Beteiligte Personen

intern


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