Pädagogische Professionalität im Diskurs

Das Kolloquium stellt zwei Diskursanalysen vor: Im ersten Beitrag werden Ergebnisse der Forschungsarbeit zur Kooperation unter Lehrpersonen eingebracht und der zweite widmet sich der Antinomie pädagogischer Prozesse.

Wann:
Dienstag, 4. Mai 2021, 17.15 Uhr bis 18.45 Uhr

Die Entwicklung pädagogischer Professionalität von Lehrpersonen ist das gemeinsame Thema, das Cornelia Dinsleder und Stephan Marti in ihren Forschungsarbeiten aus diskursanalytischer Perspektive bearbeiten. Am Kolloquium starten sie mit einer Einführung, die eine Verortung der Diskursanalyse sowie ihrer Beiträge vornimmt. Nach den Beiträgen moderiert Katharina Scharl (PH FHNW – Forschungsschwerpunkte Pädagogische Professionalität & diskursanalytische Studien) die Diskussion. 

Kooperation: Aktivierung von Schule und Profession

Die Kooperation von Lehrpersonen zählt seit den 1980er Jahren in der Forschungsliteratur zu einer zentralen Strategie der Verbesserung von Schulen und seit den 1990er Jahren zu einer Professionalisierung des Lehrberufs. In der hier vorzustellenden diskursanalytisch angelegten Forschungsarbeit wird gefragt, weshalb die Forderung nach mehr Kooperation von Lehrpersonen in der Forschungsliteratur und auf der Ebene der Bildungspolitik zunehmend bedeutsam geworden ist. Bei diesem Thema steht nicht primär das Lernen der Schüler*innen im Zentrum, sondern vor allem die organisationsstrukturelle Veränderung der Schule, die durch Lehrerkooperation unterstützt wird. Was bedeutet diese Veränderung für das professionelle Selbstverständnis von Lehrer*innen?

Im Referat werden die Ergebnisse einer diskursanalytischen Untersuchung der Forderung nach Lehrerkooperation und die Auswertung der interviewbasierten qualitativen Forschung zu den Aussagen von Lehrer*innen und Schulleiter*innen zur Lehrerkooperation aus zwei Sekundarschulen vorgestellt. In der einen Schule ist eine regelmässige Zusammenarbeit der Lehrer*innen zur Normalität geworden. In der anderen Schule werden Kooperationsstrukturen erst aufgebaut. Inwiefern Kooperation Potential hat, aber nicht per se gut ist, wird anhand einer kritischen Reflexion von Forschungsliteratur und differenzierten Interviewanalysen aufgeschlüsselt.

  • Referentin: Dr. des. Cornelia Dinsleder, PH Luzern

Die ‘Antinomie pädagogischer Prozesse’ – frameanalytisch gedeutet

Wer sich mit Professionalisierungsprozessen von (angehenden) Lehrpersonen befasst, nimmt in der Regel den Kompetenzerwerb von Professionskompetenzen, die Rollenübernahme im Funktionssystem Schule oder berufsbiografische Entwicklungen von angehenden Lehrpersonen in den Fokus. Eher geringfügig beachtet wird, dass sich (angehende) Lehrpersonen darüber hinaus eine professionsspezifische Sprache bzw. eine professionsspezifische Denkweise aneignen, die das Handeln in der Praxis beeinflusst. Dieser professionelle Sprach- und Denkerwerb in Form eines Aufbaus von ‘professionsspezifischen Frames’ wurde in den vergangenen Jahrzehnten kaum untersucht. 

Das zweite Referat gibt einen Einblick in das Projekt ‘Antinomie pädagogischer Prozesse’, welches der Thematik des professionsspezifischen Sprach- und Denkerwerbs mit besonderem Blick auf die ‘Antinomien pädagogischer Prozesse’ nachgeht. Im Rahmen des Projekts wird exemplarisch dieser Diskurs und dessen Auswirkungen auf das professionsspezifische Sprechen, Denken und Handeln in Form der Festsetzung von ‘professionsspezifischen Frames’ untersucht. Hierfür wird im Rahmen des Projekts auf frameanalytische und diskursanalytische Methodologie zurückgegriffen. Unterbreitet wird u.a. ein Vorschlag für ein methodisches Vorgehen, welches a) an die kompetenzorientierte, strukturtheoretische sowie berufsbiografische Sicht auf Professionalisierung von Lehrer*innen anknüpft und b) die gegenwärtigen Möglichkeiten wie die computergestützte Frameanalyse nutzt, um die ‘eigenen’ Diskurse zu fassen und um Frameablagerungen im Denken von Lehramtsstudierenden zu rekonstruieren.

  • Referent: Dr. Stephan Marti, PH Luzern

Als Diskutantin begrüssen wir Katharina Scharl von der FHNW.

Zoom-Meeting, Meeting-ID: 983 7479 1710, Kenncode: 188448


Kontakt

Assistentin IPU, Kommunikationsverantwortliche F+E, Sachbearbeitung Kommunikation und Marketing
Sandra Betschart
Sentimatt 1
6003 Luzern
sandra.betschart@phlu.ch
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