F+E-Kolloquium

Sibylle Steinmann und Michael Luterbacher stellen in diesem Kolloquium ihre Dissertationen vor. Anschliessend laden sie zu einem Apéro ein.

Wann:
Dienstag, 14. Dezember 2021, 17.15 Uhr bis 18.45 Uhr
Wo:
Sentimatt (SE)
SE 205

Shared und Mutual Beliefs in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung 

Sibylle Steinmann

Die Darlegungen, dass eine gemeinsam entwickelte Ausrichtung und Shared Beliefs der Lehrerausbildenden bedeutende Kennzeichen einer erfolgreichen Lehrerausbildung seien, wurden bis anhin noch kaum empirisch überprüft. Dieser Beitrag geht diesem Forschungsdesiderat nach und untersucht erstens die Beliefs, Shared Beliefs und Mutual Beliefs von Lehrerausbildenden bezüglich gutem Unterricht, Rollenvorstellungen und den Lehr- und Lernkonzeptionen. Zweitens wird der Zusammenhang zwischen den Shared und Mutual Beliefs zur Ausbildungsqualität ermittelt.

Die Unterscheidung nach Shared Beliefs (derselben Überzeugung sein) und Mutual Beliefs (angenommene Shared Beliefs) erlaubt eine differenzierte Sicht auf die «gemeinsame Ausrichtung» der Lehrerausbildenden. Auf der Basis von quantitativen Daten werden zwischen den drei Gruppen von Lehrerausbildenden, d.h. den Dozierenden der Erziehungswissenschaft (n=162), den Dozierenden der Fachwissenschaft/Fachdidaktik Mathematik (n=53) und den Praxislehrpersonen (n=486; total N=701) Shared und Mutual Beliefs ermittelt.

Die zweite Fragestellung wird mit mehrebenenanalytischen Methoden angegangen: Die unterschiedlichen Einschätzungen der Ausbildungsqualität durch die Studierenden (Primarstudierende n= 936; Sekundarstudierende n=141) wird auf der Institutsebene (N=17) in Bezug auf die unterschiedlichen Ausprägungen der Shared und Mutual Beliefs überprüft. Die Ergebnisse weisen auf die Bedeutende Rolle insbesondere der Mutual Beliefs hin.

Referentin: Dr. des. Sibylle Steinmann, PH Luzern

Erst zuletzt kommt die Moral!

Die unterschätze Relevanz aussermoralischer Aspekte im Konzept der Just-Community-Schule: Neue schultheoretische Elemente und deren empirische Prüfung.

Michael Luterbacher

Es mangelt derzeit nicht an Stimmen, die in der Erziehung zur Demokratie eine gewichtige Aufgabe der Schule sehen. Kinder und Jugendliche sollen für das demokratische Ideal gewonnen und auf demokratische Lebensformen vorbereitet werden, indem sie im schulischen Kontext Demokratie erleben und selbst praktizieren. Ein vielversprechender Ansatz stellt hierbei Kohlbergs Modell der Just-Community-Schule dar. Hier werden mit Hilfe parlamentarischer Strukturen gemeinsame Schulanlässe, Werte und Normen des Zusammenlebens und daraus hervorgehende Regelungen durch direktdemokratische Verfahren bestimmt. 

Die Studie bezieht sich denn auch auf die Just-Community-Reform einer Zentralschweizer Sekundarschule. Dem Forschungsprojekt liegt die These zugrunde, dass der ursprüngliche Fokus auf moralische Kategorien aus heutiger Sicht zu eng und eine Erweiterung des theoretischen Modells auf soziale Aspekte eines demokratischen Schulklimas unter besonderer Berücksichtigung demokratieförderlicher Einstellungen von Schülerinnen und Schülern sowie erzieherischer Kompetenzen von Lehrpersonen notwendig ist. Die Studie zeigt, dass die Intervention keine messbare Wirkung auf die Entwicklung sozialer und moralischer Einstellungen der Schülerinnen und Schüler hat. Ebenfalls lassen sich aus Sicht der Jugendlichen keine bedeutsamen Veränderungen im Schulklima beobachten. Positive Effekte werden hingegen bei den Lehrpersonen messbar. Die Teilnahme an der Intervention unterstützt demnach die Entwicklung spezifischer professioneller Überzeugungen. 

Die beobachteten Einflüsse einer konstruktionsorientierten Erziehungsauffassung und des erzieherischen Wissens auf die Entwicklung der Jugendlichen lassen jedoch vermuten, dass die pädagogische Qualität der Intervention nicht durchwegs gewährleistet war. Insgesamt wird aber auch deutlich, dass an der Interventionsschule gelungen ist, demokratische Strukturen auf unterschiedlichen Ebenen aufzubauen und über zwei Projektjahre eine intensive demokratische Praxis zu etablieren.

Covid-Zertifikat ist eine Voraussetzung für diese Veranstaltung. 


Kontakt

Assistentin IPU, Kommunikationsverantwortliche F+E, Sachbearbeitung KM
Sandra Betschart
Sentimatt 1
6003 Luzern
sandra.betschart@phlu.ch
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