F+E-Kolloquium: Fake und Fiktion

Literaturwissenschaftler Thomas Strässle erläutert in seinem Kolloquium weshalb jeder Fake eine Form von Fiktion ist, jedoch nicht jede Fiktion Fake.

Wann:
Montag, 21. September 2020, 17.15 Uhr bis 18.45 Uhr
Wo:
Uni/PH-Gebäude (UP)
Hörsaal 6

Fake und Fiktion. Über die Erfindung von Wahrheit

Die aktuelle Debatte über Fakes operiert ganz selbstverständlich mit dem Gegensatz von Fake versus Fakt. Was Fake ist, vergeht sich an den Fakten, und was als Fake entlarvt werden soll, muss daher auf seine Faktizität hin überprüft werden.

Daran ist nichts falsch, aber es ist auch nur die halbe Wahrheit. Denn der Fake lässt sich nicht nur in seinem Gegensatz zum Faktischen betrachten, sondern auch in Hinsicht auf Fiktion.

Jeder Fake ist eine Form von Fiktion oder hat zumindest Anteil am Fiktiven. Umgekehrt gilt dieser Satz aber nicht: Nicht jede Fiktion ist auch eine Form von Fake. Es gibt viele Formen der Fiktion (Märchen, Fabeln, Fantastik etc.), die keinerlei Anspruch erheben, als faktisch zu gelten, wie der Fake es immer tut. Und das heisst: Der Fake kann auch als eine Untergattung der Fiktion verstanden werden, als eine spezifische Ausprägung von Fiktionalität. Es fragt sich nur, wie sich diese beschreiben lässt und was dies für den Fake bedeutet – für den Fake als Form von Fiktion, die für die Gegenwart politisch äusserst brisant geworden ist.

An vielen Beispielen aus der Literaturgeschichte versucht der Vortrag, die Strategien herauszuarbeiten, deren sich das faketionale Erzählen bedient: ein Erzählen, das Fakten und Fiktionen so geschickt miteinander vermengt, bis die Übergänge nicht mehr ersichtlich sind und unentscheidbar wird, was auf welche Seite gehört.

  • Referent: Prof. Dr. Thomas Strässle, Berner Fachhochschule, Hochschule der Künste Bern

Kontakt

Assistentin IPU, Kommunikationsverantwortliche F+E
Sandra Betschart
Sentimatt 1
6003 Luzern
sandra.betschart@phlu.ch
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