24. August 2021

Hohle Gasse und Löwendenkmal

Die PH Luzern führt am 25. August 2021 eine spezielle Veranstaltung zum 200. Geburtstag des Löwendenkmals durch. Modultexte führen Interessierte an diese heran. Im aktuellen Betrag besonders im Fokus: Protestorte und deren pädagogische Komponenten.

«Am 10. August 1821 wurde der Löwe feierlich enthüllt. Es hätte von Rechts wegen ein Nationalfest für die ganze Schweiz sein sollen, allein es beteiligte sich dabei nur die alte Aristokratie. Von allen Seiten strömte dieselbe herbei, und die Strassen von Luzern wimmelten in den altmodischen roten Uniformen der früheren Schweizer Garde und von alten Damen mit grünen Brillen und hässlichen Hüten. Man glaubte sich einen Augenblick an den aus den Gräbern wieder auferstandenen Hof Marie Antoinettens versetzt. Die Studenten nahmen keinerlei Anteil an dem Feste, ich fuhr vielmehr mit ihnen über den See nach Küssnacht. Es war eine ganz kleine Flottille. Sobald wir gelandet waren, begaben wir uns in die hohle Gasse, umlagerten Tells Kapelle, feierten sein Andenken mit einer Rede und mit einem Festmahl und wünschten ganz Europa einen Befreier, wie es Tell für die Schweiz gewesen war.» So beschreibt Wolfgang Menzel, der an dieser Protestkundgebung teilnahm, die Szenerie.*

Nun, inzwischen sind sowohl Hohle Gasse mit Tellskapelle wie auch das Löwendenkmal zu bedeutsamen Ausflugszielen für Schulreisen geworden. So findet sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts und über mehrere Jahre hinweg in jeder Ausgabe der Schweizer Lehrerzeitung ein Inserat, in der die «werte Lehrerschaft» erinnert wird, dass sich mit der Löwengartenhalle eine für Bewirtung von Schulen «zunächst des vielbesuchten Löwendenkmals» geeignete Einrichtung befindet – ein Wink für Bildungsreisen. Und tatsächlich wurde das Löwendenkmal auch in seinem bildenden Gehalt wahrgenommen. So schreibt der Schüler H.N. – die Schulreise seines Deutschen Landerziehungsheims führt auch in die Schweiz – in seinem Tagebuch:

«Am anderen Morgen, den 1. August (1900), fuhren wir direkt auf Luzern zu. Wir kamen über die Reuss, die bei ihrem Austritt aus dem See ziemlich breit ist, und suchten in Luzern sogleich das berühmte Kriegerdenkmal der 1792 gefallenen Pariser Schweizergarde auf. Dies von Thorwaldsen entworfene Werk, den in den Felsen gehauene sterbende Löwe mit der Inschrift: ‘Helvetiorum fidei ac virtuti’ verfehlte seine ergreifende Wirkung nicht auf uns.»**

Und was die Hohle Gasse betrifft: Die Schweizer Schuljugend – wer immer damit auch gemeint ist – ist sogar Eigentümerin der Hohlen Gasse, nachdem sie in den 1930-Jahren mit ihrem Postkartenverkauf für eine Umfahrungsstrasse geworben hatte. Wenn das nicht auch bereits ergreifend ist!

Wenn sich heuer die Einweihung des Löwendenkmals zum 200. Mal jährt, so erinnern wir mit unserer Veranstaltung auch an einen sperrigen Professor und also an eine Episode aus der Geschichte der Höheren Schulen in Luzern. Und diskutieren Fragen zur heutigen lehramtlichen Verpflichtung von Hochschuldozierenden und zu gegenwärtigen studentischen Protestformen.

Die PH Luzern organisiert hierfür eine spezielle Veranstaltung am 25. August 2021 im UP beim Bahnhof. Auf dieser Website folgen im Vorfeld weitere Modul-Texte zur Einstimmung auf diesen Event und auf spezielle Aspekte rund um das Löwendenkmal-Jubiläum.

* zitiert nach Daniel Furrer: Ignaz Paul Vital Troxler (1780-1866). Der Mann mit Eigenschaften. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 2010, S. 238-239.

** Mitteilungen des Deutschen Landerziehungsheims bei Ilsenburg im Harz von Dr. H. Lietz. Berlin 1901.


Kontakt

Leiter Zentrum Hochschuldidaktik
Peter Tremp
Prof. Dr.
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peter.tremp@phlu.ch
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