3. Februar 2020

Alumni-Tagung
Wer die Schule wirklich führt

Die 7. Alumni-Tagung MAS Schulmanagement drehte sich um die Frage «Wer führt die Schule?» Dabei ging es aber nicht primär um Aspekte wie Verantwortlichkeiten betreffend strategischer und operativer Führung, sondern um eine weiter gefächerte Sichtweise hinsichtlich der Thematik der Tagung. Diese wurde erschlossen mit Fragen wie zum Beispiel:

7. Alumni Tagung – Caroline Lanz und Iwan Rickenbacher
  • Wer führt die Schule, indem er oder sie wie Einfluss nimmt?
  • Von welchen unterschiedlichen Akteuren ist die Schule geprägt?
  • Wo bestehen Handlungsspielräume vor dem Hintergrund, dass die Schule gesetzliche, kulturelle, gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen akzeptieren und respektieren muss?
  • Welche gesellschaftlichen Veränderungen können die Schule beeinflussen – und allenfalls wie?

Die Debatten, Diskussionspunkte und Antworten hätten spannender kaum ausfallen können!

Rund 50 Schulleiterinnen und Schulleiter, ehemalige Absolventen und Absolventinnen des Masters waren am Freitag, 24. Januar 2020, von der ersten Tagungsminute an voll aufs Thema fokussiert. Denn erst fesselte Tagungsleiterin Caroline Lanz die Teilnehmenden mit einer spontanen, packend vorgetragenen Schulepisode vom heimischen Frühstückstisch, bevor sie mit weiteren anregenden Fragen, unter anderem betreffend Kompetenzverteilung oder Leistungsauftrag in die Thematik einführte.

Gleich anschliessend erzählte Tagesmoderator Iwan Rickenbacher aus seiner Lehrer- und Schulleiterzeit von Eltern, die partout nicht wollten, dass ihr talentiertes Kind die Sekundarschule besuchte. Und stellte anhand dieses Beispiels die Frage: Wer führt die Schule? Der Rektor? Oder doch zumindest teilweise Eltern? Oder gar Schülerinnen und Schüler, die ihre eigenen Wege gehen wollen?

Der Einfluss der Medien

Punkte wie diesen nahm Rayk Sprecher in seinem Impuls-Referat sogleich auf. Der Dozent, im Tagesprogramm auch als «strukturierter Querdenker» und «philosophischer Berater» betitelt, startete mit der Aussage: «Organigramme sind oft schön gestaltet, aber sagen auch oft wenig aus zur Frage: Wer führt die Schule?» Und er regte mit der Behauptung, in der Schule sei Wissen, von denen die Schulleitung nichts wisse, zu intensivem Nachdenken und Diskutieren in Pausen an.

Nach diesen führte jeweils die Luzerner Musikerin Heidi Happy mit kulturellen Intermezzi die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer wieder zurück in Programmpunkte wie «Unterrichten in einer komplexen Welt», von der Simone Hinnen, Kommunikationsberaterin mit langjähriger journalistischer Erfahrung, erzählte. Sie verwies auf den Einfluss der Medien auf unsere Gesellschaft und somit auch auf die Schule. Insbesondere der Respekt vor einer ungewissen Zukunft führe dazu, dass die Gesellschaft vermehrt Druck auf die Schule und somit auf die Kinder ausübe. Gefragt seien darum Instrumente, die es zuliessen, im Dialog mit Eltern und weiteren Exponenten zu bleiben, ohne deswegen die Erwartungen von aussen eins zu eins an die Kinder weiterzugeben, indem Bewährtes ständig hinterfragt werde. Ins gleiche Horn stiess die Luzerner Kantonsrätin Helene Meyer-Jenni an der anschliessenden Podiumsdiskussion. Eines ihrer Hauptanliegen war die Kommunikation als ein wichtiges Instrument, um gegenseitiges Verständnis zu wecken.

Ermutigung durch Charles Vincent

Im zweiten Teil der Tagung sprach Ueli Hostettler vom Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation an der PH Bern über sein Schwerpunktprogramm «Governance im System Schule», während Charles Vincent, Leiter der Luzerner Dienststelle Volksschulbildung, unter anderem die wechselseitigen Beziehungen zwischen Schulleitungen und anderen Beteiligten streifte und beispielsweise die Frage erörterte, welche Einflusspotenziale und Interessen im Kontext der Schule bestehen. Ebenso äusserte er seine Erfahrungen und Feststellungen zu zentralen Fragen der Schulleitungsarbeit. Er ermutigte die Teilnehmenden zur aktiven Wahrnehmung der Führungsaufgabe und zur Ausgestaltung eines persönlichen Führungsstils, der nicht immer jede Neuerung in den Managementtheorien aufnehmen muss.

Eine Erkenntnis des Tages, an dem viel von inner- und ausserschulischen Akteuren die Rede war: Kooperation wird nicht durch Einverständnis erreicht, aber durch Verständigung. Diese vermeintliche Nuance kann das Handeln verschiedener Interessengruppen beeinflussen. Nicht zu vergessen dabei: Auch Vertrauen sollte zur Palette der Führungsstile gehören. Was abends die Klammer schloss, die Carolina Lanz morgens geöffnet hatte: Das Ziel war nicht, das ideale Schulleitungsmodell zu definieren, nein, es ging viel mehr darum, die Akteure, welche die Schule prägen, näher kennen zu lernen und dabei das eigene Blickfeld für deren Sichtweisen und Perspektiven zu erweitern.


Kontakt

Abteilungsleiterin
Caroline Lanz
Prof. Dr.
Frohburgstrasse 3
6002 Luzern
caroline.lanz@phlu.ch
Portrait
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